Wie die KI die Berufswelt verändert

Vor ein paar Jahren hatte ich ein Gespräch mit der Marketing-Leiterin eines mittelständischen Unternehmens, an das ich erst kürzlich wieder denken musste. Ich schrieb für das Unternehmen verschiedene Texte von Presseartikeln über Applikationsberichte bis zu Produktprospekt. Mein Vorteil war, dass ich schon immer zweisprachig gelebt habe und solche Texte in Deutsch und Englisch schreiben konnte. Ich war also Texter und Übersetzer zugleich und unterstützte das Unternehmen in allen Bereichen seiner Marketing-Kommunikation.

Das Gespräch drehte sich um ein Thema, das uns beide zum Schmunzeln brachte. Die Geschäftsleitung war zu der Schlussfolgerung gelangt, dass man heute eigentlich keinen Übersetzer mehr brauche. „Es gibt doch Google Translate,“ so die einhellige Meinung. Man müsse also einen Fachartikel nur bei Google eingeben und schon hätte man die englische Übersetzung davon. Wie gesagt wir fanden das beide als sehr erheiternd. Die Marketing-Leiterin war nämlich Italienerin und hatte selbst viele Jahre als Übersetzerin gearbeitet.

Wir beschlossen, die Geschäftsleitung von ihrer unsinnigen Vorstellung zu überzeugen und nahmen einen gerade anstehenden Produktprospekt als Musterbeispiel. Ich schrieb den Prospekt in Englisch und übersetzte ihn anschließend ins Deutsche. Dann nutze ich Google Translate, um aus dem englischen Original ebenfalls eine deutsche Übersetzung zu machen.

Um es kurz zu machen, das Ergebnis war weitgehend unbrauchbar. Ich hätte die deutsche Maschinenübersetzung so grundlegend überarbeiten müssen, dass ich sie hätte gleich selbst anfertigen können. Nein, übersetzen konnte ein Computer nicht. Zumindest dann nicht, wenn es um ein anspruchsvolles Thema ging und der Text entsprechend komplex war. Ich lehnte mich also zufrieden zurück und wusste, dass mein Beruf noch lange nicht vom Computer übernommen werden würde.

Der Computer hat übernommen

Doch die Welt hat sich verändert. Und sie verändert sich immer schneller. Der beschriebene Vorfall fand im Jahr 2019 statt. Heute würde das Ergebnis der Demonstration völlig anders ausfallen und das, obwohl seitdem erst 6 Jahre vergangen sind.

Vor Kurzem habe ich ein Experiment gewagt und ein komplettes Buch dem Übersetzungsprogramm anvertraut, das mittlerweile fest in meinen Texteditor (Textmaker NX von Softmaker) eingebaut ist. Mit Blick auf meine bisherigen Erfahrungen stellte ich mich auf eine langwierige Überarbeitung des übersetzten Textes ein. Aber nach zehn Seiten hatte ich lediglich zwei marginale Fehler gefunden und entschloss mich kurzerhand, das Buch zu Amazon Kindle hochzuladen und in der rein maschinenübersetzten Form zu veröffentlichen.

Die Zeit hat mich also überholt. Einen Übersetzer braucht heute kaum noch jemand. Zumindest nicht im Sprachpaar Deutsch und Englisch. Das bestätigen auch die einschlägigen Stellenanzeigen. Übersetzer für Deutsch und Englisch werden mittlerweile so gut wie nicht mehr nachgefragt und das hat nichts mit der schlechten Wirtschaftslage zu tun. Was man gelegentlich findet sind Übersetzer für MTPE. Das steht für Machine Translation Post Editing und steht für Leute, die einem maschinell übersetzten Text den letzten Schliff geben und eventuell noch vorhandene Fehler ausmerzen.

Texten kann mittlerweile jede KI

Nicht nur mein langjähriger Beruf als Übersetzer ist mittlerweile so gut wie überflüssig geworden. Auch als selbstständiger Texter und Fachjournalist könnte ich heute kaum noch überleben. Auch hier hat längst der Computer viele Aufgaben übernommen, die früher die menschliche Intelligenz und Kreativität erforderten und heute nicht mehr gefragt sind.

Das Stichwort hierzu heißt KI, also Künstliche Intelligenz.

Als ich anfing als Texter und Übersetzer und später auch als Fachjournalist zu arbeiten musste ich noch Fachzeitschriften lesen und Bücher kaufen, um mich auf dem Laufenden zu halten. Ich kann mich an einen neuen Kunden erinnern, bei dem es um Netzwerktechnik ging. Also habe ich mir drei Bücher über Netzwerktechnik gekauft, um mein Wissen auf den neuesten Stand zu bringen und mitreden zu können. Heute würde ich dafür ein, zwei Stunden googeln und wüsste zwar längst nicht alles, aber genügend, um vernünftige Texte schreiben zu können.

Doch was KI kann, habe ich aus reiner Neugier entdeckt.

Ebenfalls fest in meinen Textmaker eingebaut ist nämlich mittlerweile auch eine KI-Funktion. Die hat mich neugierig gemacht und ich wollte die Leistung dieser Funktion an einem ganz realen Beispiel ausprobieren. Es handelte sich dabei um die Stadt Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern. Dort gibt es ein recht imposantes Schloss, das im 16. bis 19. Jahrhundert errichtet und mehrmals umgebaut wurde. Es liegt malerisch am Rand der Stadt auf einer Insel im Schweriner See

2024 sollte das Schweriner Schloss in die Liste aufgenommen werden, in die von der UNESCO wichtige Baudenkmäler als Weltkulturerbe aufgeführt sind. Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe dieser Entscheidung sollte ich im Auftrag einer Hamburger Marketing-Agentur einen Artikel über Schwerin schreiben. Es ging dabei nicht nur um das Schloss selbst, sondern um ein ganzes Ensemble an historischen Gebäuden, die man für die Nachwelt als erhaltenswert hielt.

Ich fuhr also bei schönstem herbstlichen Sonnenschein nach Schwerin, fotografierte das Schloss und die interessantesten Gebäude, die zu dem Ensemble zählten. Dann setzte ich mich zu Hause daran, einen passenden Artikel zu schreiben. Mir kam die Idee, doch gleich mal die Möglichkeiten von KI auszuprobieren, um möglichst schnell alle relevanten Informationen zu sammeln, die in dem Artikel vorkommen sollten.

Ich schrieb also: „Nenne mit allen Sehenswürdigkeiten in Schwerin mit allen relevanten Informationen.“ Darauf vergingen einige Sekunden und ich erhielt nicht nur eine Auflistung der gewünschten Informationen, sondern einen komplett ausformulierten Artikel, in dem alles beschrieben wurde, was ich wissen wollte. Den habe ich mir dann vorgenommen, um den Artikel zu schreiben, wofür ich keine halbe Stunde benötigte, denn viel besser als die KI hätte ich es auch nicht formulieren können.

Die KI hatte also einen Großteil meines Jobs erledigt, mir viel zeitraubende Recherchearbeit erspart und mir nebenbei die Erkenntnis geliefert, dass es auch meinen Beruf als Texter in der bisherigen Form bald nicht mehr geben würde.

Mittlerweile kann man sogar komplette Bücher mithilfe künstlicher Intelligenz schreiben (lassen). Man gibt einfach die Struktur und die entscheidenden Stichworte vor, überarbeitet das Ergebnis noch etwas und das Buch ist fertig zur Veröffentlichung. Das funktioniert zwar nicht bei Themen, über die es im Internet noch nichts zu lesen gibt, aber es klappt erschreckend gut.

Wenn man heute irgendwo im Web einen Artikel zu irgend einem Thema list, kann man mittlerweile nicht mehr sicher sein, dass dieser auch von einem menschlichen Autoren geschrieben wurde. Und wenn, dann hat sich dieser vielleicht von einer KI dabei helfen lassen, alle erforderlichen Informationen zusammenzustellen.

Nachdem die Roboter die Fabrikwelt übernommen haben, sind also jetzt die kreativen Berufe dran, in denen künftig ohne Computerhilfe nichts mehr geht. Vielleicht liegt ja die berufliche Zukunft von heute wieder im guten alten Handwerk.

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