Berufe, die bald keiner mehr kennt

Wissen Sie noch, was ein Setzer ist? In den 80er Jahren braucht jeder einen Setzer, der etwas drucken wollte. Ob Prospekte, Anzeigen oder die Zeitung, ohne Setzer lief nichts. Denn der Setzer hat handschriftliche oder mit der Schreibmaschine getippte Texte abgeschrieben und für den Druck vorbereitet. Beim Buchdruck war das Ergebnis ein Stapel Buchstaben aus Blei, mit denen dann das Papier bedruckt wurde. Beim späteren Fotosatz war es eine durchsichtige Folie, die für den Offset-Druck benötigt wurde.

Der Workflow von heute braucht keine Setzer mehr. Texte werden direkt vom Autor im PC erfasst und vom Grafiker zusammen mit den Bildern in die richtige Form gebracht. Doch mit dem Internet hat sich auch das alles verändert, denn gedruckte Artikel sind fast schon zur Seltenheit geworden.

Ähnlich wie dem Tester ist es vielen Berufen ergangen. Die Digitalfotografie hat die Fotolabore überflüssig gemacht. Reisebüros sind so gut wie ausgestorben und mit ihnen auch die Reisebüro-Kaufleute. Selbst Lagerarbeiter sind selten geworden, seitdem es automatische Regalbediengeräte und digitale Logistikprozesse gibt.

Mein Großvater war Uhrmacher und gehörte damit einem Beruf an, den man heute nur noch vereinzelt antrifft. Schließlich leben wir mittlerweile im Zeitalter der Digitaluhren und selbst die werden gerade durch die neue Gattung der Smart Watches abgelöst. Mechanik spielt dabei keine Rolle mehr und die Uhrmacher haben massenweise ihren Job verloren. Genauso wie all die anderen Leute, deren Beruf am Aussterben ist:

Fassküfer

Fassküfer (auch Böttcher genannt) stellen Fässer und Gefäße für den Weinanbau und für Brennereien her. Jeder Barrique-Wein ist in so einem Holzfass herangereift. Genauso wie jeder Rum, Whiskey, Sekt und Champagner. Doch solche Fässer werden heute nicht mehr in mühsamer Handarbeit hergestellt, sondern in vollautomatischen Prozessen.

Drucker, Grafiker, Lithografen und Buchbinder

All diese alten Berufe des grafischen Gewerbes gibt es zwar noch, aber ihre Bedeutung hat extrem abgenommen. Selbst der gute alte Grafiker nennt sich heute Mediengestalter und beschäftigt sich vor allem mit der Gestaltung von Websites.

Briefträger

Die gute alte Post ist heute der nur noch ein eher wenig bedeutender Teil von DHL. Ich lehre zum Beispiel meinen Briefkasten nur noch einmal in der Woche, dann außer Reklame und nervigen Briefen vom Finanzamt oder von irgendwelchen Behörden ist da selten etwas Lesenswertes drin. Briefe heißen eben heute E-Mails und für die braucht man keinen Briefträger.

Schneider und Näher(innen)

Schneider kennen wir heute eigentlich nur noch von den zumeist italienischen Änderungsschneidern, die Kleider reparieren oder zu weite Hosen enger machen. Maßanzüge sind die große Ausnahme und damit auch die Zahl der Schneider, die so etwas noch können. Näherinnen wiederum gibt es bestenfalls noch im Süden Italiens, vor allem aber in den armen Ländern in Fernost, wo unsere kurzlebige Kleidung entsteht.

Bäcker und Konditoren

Wer noch einen richtigen Bäcker mit eigener Backstube vor Ort hat, sollte dort einkaufen, auch wenn es etwas teuer ist. Dieses Handwerk ist nämlich am Aussterben, auch wenn die erreichte Qualität um Klassen besser ist als alles, was die Großbäckereien zustande bringen. Und mit den Bäckern verschwinden auch die letzten Konditoreien, deren liebevolle Handarbeit sich sich in unserer hochversteuerten Arbeitswelt kaum noch einer leisten will oder kann.

Finanzbuchhalter

Finanzielle Prozesse laufen heute so gut wie überall digital ab. Zahlen, die in den Computersystemen der Unternehmen einfach nebenbei entstehen. Zahlen für deren Verarbeitung, Darstellung und Analyse es genügend Programme gibt. Zahlen für die man schon bald keine Menschen mehr brauchen wird. Wer also heute vor der Berufswahl steht, sollte die Branche meiden.

Journalisten und Reporter

Früher füllten sie in den Zeitungsverlagen ganze Newsrooms. Seitdem die Redaktionen bis auf eine Kernmannschaft zusammengeschrumpft sind, sind sie eine aussterbende Spezies. Was es zu berichten gibt, entsteht in wenigen zentralen Redaktionen und das Textmaterial dafür stammt aus den Tastaturen von unzähligen schlecht bezahlten Freiberuflern. Es hat eben seinen Grund, weshalb man heute in jedem Print- und Online-Medium dasselbe liest.

Altes verschwindet, Neues kommt

Noch nie war der Wandel schneller als heute. Doch während teilweise Jahrhunderte alte Berufe überflüssig geworden sind oder einfach nicht mehr in der Zahl benötigt werden wie früher, entstehen neue Berufe, für die es zum Teil noch nicht einmal etablierte Bezeichnungen gibt. Ich selbst bin in der Werbebranche groß geworden. Jahrzehntelang hatte ich mit gedruckten Werbemitteln zu tun und habe Unmengen an Prospekten getextet. Doch das Internet hat alles verändert.

Wann ich das letzte Mal mit Printwerbung zu tun hatte, weiß ich nicht. Aber das Internet ist vor allem ein Informationsmedium und Informationen bestehen nun mal aus Buchstaben und Worten, die zu möglichst sinnvollen Sätzen verbunden werden. Das wird auch so bleiben, auch wennn sich damit immer weniger Geld verdienen lässt.

Mein Sohn arbeitet ebenfalls in der Werbung. Er hat ein Unternehmen, das sich mit Online-Marketing beschäftigt. Aber wenn ich mich mit ihm unterhalte, verstehe ich nur Bahnhof. Die Welt verändert sich eben ständig und immer schneller.

Ähnliche Themen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert